The observer is part of the system.
Humberto Maturana
WIDERSTAND BEGINNT NICHT BEI DEN ANDEREN
Wenn über Widerstand gesprochen wird, richtet sich der Blick meist nach außen: auf Teams, Führungskräfte, Organisationen. Selten jedoch nach innen.
Dabei ist eigener Widerstand kein Ausnahmefall, sondern Normalität. Auch du hast Überzeugungen, Routinen und innere Sicherheiten, die nicht beliebig verhandelbar sind. Auch du reagierst sensibel, wenn vertraute Deutungen, Rollen oder Wirksamkeitsmuster infrage gestellt werden.
Widerstand beginnt nicht dort, wo andere „nicht mitziehen“.
Er beginnt dort, wo etwas für dich selbst auf dem Spiel steht.
WO EIGENER WIDERSTAND WIRKSAM WIRD
Eigener Widerstand zeigt sich nicht immer offen. Oft tarnt er sich als Professionalität:
* als Zeitdruck („Jetzt ist nicht der richtige Moment“),
* als Sachargument („Das ist methodisch nicht sauber“),
* als Pragmatismus („So funktioniert das hier eben nicht“).
All das kann berechtigt sein. Und zugleich kann es Ausdruck davon sein, dass auch du Grenzen ziehst – um dich zu schützen, nicht um zu blockieren. Problematisch wird eigener Widerstand nicht durch seine Existenz, sondern durch fehlende Selbstbeobachtung.
Im Werkzeugkasten finden sich Konzepte, die helfen, diese Beobachterrolle bewusst einzunehmen – nicht zur Selbstoptimierung, sondern zur professionellen Klärung.
SELBSTREFLEXION ALS FÜHRUNGS- UND BERATUNGSKOMPETENZ
Eigener Widerstand ist kein Makel. Er wird erst dann zum Problem, wenn er unbemerkt bleibt. Reife zeigt sich dort, wo du unterscheiden kannst:
Was ist meine fachliche Grenze?
Was ist meine persönliche Irritation?
Und wo vermische ich beides?
Diese Unterscheidung verlangt keine Offenlegung, sondern Klarheit. Wer den eigenen Widerstand kennt, agiert bewusster – und produziert weniger unbeabsichtigten Widerstand bei anderen.
FAZIT
Eigener Widerstand gehört zur Professionalität.
Er zeigt, wo auch du etwas bewahren willst.
Wer ihn reflektiert, erweitert seinen Handlungsspielraum.
Wo spürst du gerade eigenen Widerstand – und was schützt er möglicherweise?
