Führung fühlt sich manchmal an wie Navigieren bei Nebel.
MAN SIEHT WENIG, HÖRT VIEL – UND IRGENDJEMAND FRAGT TROTZDEM: “WANN SIND WIR DA?”
In vielen Organisationen erleben Führungskräfte heute genau das: Sie sollen Orientierung geben, Entscheidungen treffen und Sicherheit vermitteln – in Systemen, die sich schneller ändern, als ihre Strategien greifen.
Der Ruf nach “klarer Führung” wird laut – doch was, wenn gerade Klarheit das ist, was fehlt?
KOMPLEX ODER KOMPLIZIERT? EIN BLICK AUFS CYNEFIN-MODELL
Der britische Forscher Dave Snowden unterscheidet zwischen einfachen, komplizierten, komplexen und chaotischen Systemen.
In komplexen Kontexten lassen sich Ursache und Wirkung nicht eindeutig zuordnen. Lösungen lassen sich nicht planen – sie müssen entstehen.
Snowden empfiehlt dort:
“Ausprobieren – Erfassen – Reagieren” (Probe – Sense – Respond)
Das ist das Gegenteil klassischer Steuerungslogik. Es braucht Mut zur Unsicherheit, statt den Drang zur Kontrolle.
FÜHRUNG HEISST: SINN ERMÖGLICHEN – NICHT LÖSUNGEN LIEFERN
Karl Weick, Vordenker des “Sensemaking”, bringt es auf den Punkt:
“In Unsicherheit braucht es keine schnellen Antworten, sondern kohärente Erzählungen.”
Führung ist in komplexen Systemen kein autoritärer Akt, sondern eine Form der Bedeutungsgebung. Oder, wie Niklas Luhmann sagen würde:
“Führung ist Kommunikation. Und Kommunikation ist ein Ereignis – kein Befehl.”
WAS DAS KONKRET HEISST?
👉 Nicht alles regeln, sondern gemeinsam Rahmen abstecken.
👉 Nicht alles wissen, sondern sinnvoll fragen.
👉 Nicht alles erklären, sondern Kontext klären.
Ein kluger Satz in der Führung könnte z.B. lauten:
“Ich weiß es auch (noch) nicht, aber ich höre zu.”
Oder:
“Was beobachten wir gerade – und wie interpretieren wir das?”
FAZIT
Wer im Nebel führt, muss nicht alles sehen – aber aufmerksam hören können.
Mehr dazu im Werkzeugkasten: OODA-Loop; Viable System Model
Du führst in einem komplexen Umfeld?
Dann lass uns ins Gespräch kommen – ohne Nebelmaschine.
